Was ist der DID?
Der DID (Digital Independence Day) oder zu deutsch DUT (Digitaler Unabhängigkeitstag) ist eine Initiative von vielen Organisationen. Ich bin erstmalig auf dem 39C3 darauf aufmerksam geworden. Die offizielle Webseite der "entspannten Revolution" gegen Big Tech ist https://di.day
Das Ziel der Initiative ist, die Abhängigkeit von Big Tech Unternehmen, wie Google, Meta (Instagram und Facebook), TikTok, X und vielen weiteren, zu verringern. Für viele scheint das unbedeutend zu sein. Daher ist es wichtig, sich einmal vor Augen zu führen, wo Big Tech genutzt wird und welche Möglichkeiten sich daraus für diese Unternehmen ergeben.
Wo kommt Big Tech vor?
Es fängt morgens mit dem Smartphone an. Dieses hat Betriebssysteme von Google oder Apple. Eingeschaltet ist beispielsweise WLAN, sodass Big Tech den Standort ermitteln kann. Über Metadaten kann herausgefunden werden, wann das Handy genutzt wird, wodurch Bewegungs- und Nutzungsprofile erstellt werden können. Auch wenn man es nur schwer glauben kann: Über solche Metadaten kann man feststellen, ob jemand Urlaub macht, Freunde besucht oder gar eine Affäre hat.
Morgens läuft auf dem Weg zur Arbeit ein Musikstream. Vielleicht wird noch ein Video auf YouTube geschaut oder die aktuellen Nachrichten abgerufen. Dafür wird unter anderem ein Dienst benötigt, der sich DNS (Domain Name System) nennt. Dieses arbeitet wie ein Telefonbuch zur Auflösung von Domain-Namen (bspw. iam.kuechler.tech) zu IP-Adressen (bspw. 123.201.21.32). Dies ist in den meisten Fällen unverschlüsselt und schickt Daten gerne zu Servern von Big Tech Unternehmen, die entsprechende DNS-Server betreiben.
Im Verlauf des Tages werden Fotos gemacht, die automatisch in die Cloud gespeichert werden. Diese enthalten Standortdaten, Zeitstempel und mit dem Zeitalter der künstlichen Intelligenz auch Informationen, wer oder was sich auf einem Foto befindet. Auf der Arbeit wird Windows verwendet, welches gerade zuletzt eine Funktion einbinden wollte, die sich Recall nennt. Dabei wird alle paar Sekunden ein Bildschirmfoto erstellt und an eine KI gefüttert. Egal was man dabei gerade für Anwendungen offen hat wohlgemerkt.
Am Nachmittag wird vielleicht nochmal eingekauft und per Kreditkarte, Apple Pay, PayPal oder Google Pay bezahlt. Auch hier fallen Metadaten an.

All diese Informationen bieten wertvolle Informationen für Big Tech Konzerne. Wenn es doch nur bei Informationen bliebe.. Wer all diese Dinge sammeln kann, hat auch die Macht zu entscheiden, wer sie nutzen darf. Je größer ein Dienst ist und somit stärker in den Alltag eingebettet ist kann dies auch zu gravierenden Einschränkungen führen. Auch das ist leider kein fiktiver Fall: Microsoft wurde verklagt und hat daraufhin dem Chef-Ankläger das Microsoft-Konto gesperrt.[1]
Cloud-Act
Für viele nicht unbedingt bekannt, aber es gibt den so genannten Cloud-Act (Clarifying Lawful Overseas Use of Data Act), der amerikanische Unternehmen verpflichtet, auf Wunsch der US-Regierung sämtliche Nutzungsdaten herauszugeben. Auch wenn dies gegen lokale Gesetzgebungen wie die DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) verstoßen würde.[2]
Mein Fazit
Wer in der heutigen Zeit denkt, Big Tech ist ungefährlich, unterschätzt die Macht dieser Unternehmen gewaltig. Umso dringender sollten Individuuen Maßnahmen ergreifen, um sich und ihre digitale Identität zu schützen. Der Ansatz des DID ist dabei, Schritt für Schritt digital unabhängig zu werden. Dafür wird an jedem DID ein weiterer Schritt getan. Sei es durch das Ersetzen eines Big Tech Dienstes durch einen souveränen Dienst oder die n+1 Taktik: Wenn ein Dienst zu groß ist und man sonst auf etwas wichtiges verzichten müsste, dann nimmt man einen souveränen Dienst dazu und versucht so viel es geht diesen zu nutzen.
Wenn man fertig ist mit der Umstellung, dann kann man dazu posten. Beispielsweise mit
DUT gemacht.
DID it.
Wer jetzt loslegen möchte: Auf der Webseite des DID gibt es zahlreiche Wechselrezepte [3], die man als Anleitung verstehen kann. Versucht es!